Wilhelm-Warmbold-Schule

Inklusionskonzept PDF
 
 Wilhelm-Warmbold-Förderzentrum
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Inklusionskonzept[1] 
 Febr.  2011
 
Inhalt
 
Grundhaltung und Zielvorstellung.................................................................................................. 2 
Rahmenbedingungen für Inklusion................................................................................................ 2 
Rechtliche Grundlagen.............................................................................................................. 2 
Gemeinsamer Unterricht........................................................................................................... 3 
Schulstruktur im Einzugsbereich des WW-Förderzentrums........................................................ 4 
Die Aufgaben des Förderzentrums................................................................................................ 5 
Die Arbeit in den Regelschulen.................................................................................................. 5 
Unterrichten im Team............................................................................................................ 5 
Die Arbeit der Förderschullehrkraft an den Regelschulen........................................................ 6 
Umsetzung in der Primarstufe: Das Regionale Integrationskonzept......................................... 7 
Gemeinsamer Unterricht in der Sekundarstufe 1.................................................................... 8 
Besondere Lerngruppen des Förderzentrums............................................................................ 9 
Weitere Arbeitsbereiche des Förderzentrums........................................................................... 9
Beratung............................................................................................................................... 9
Integrative Beschulung für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung............ 10
Kooperation im Schulzentrum Lüchow (RS HS FöSch)............................................................ 10
Kooperation mit der Berufsschule........................................................................................ 11
Mediothek und Fortbildungsangebote................................................................................. 11

© 2011 Wilhelm-Warmbold-Förderzentrum, Lüchow

Grundhaltung und Zielvorstellung

Wir streben eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben und am Bildungsprozess an. Dies fordert die inklusive, individuelle und wohnortnahe Beschulung aller Kinder und Jugendlichen ungeachtet ihrer Begabungen und Behinderungen.
Unsere Vision ist „eine Schule für Alle“, in der Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf natürlicher Teil der Schülerschaft sind.
Diese Schule sieht Heterogenität als Chance. Sie lässt Schüler und Schülerinnen gemeinsam an Lerngegenständen arbeiten und fördert dabei soziale Kompetenzen wie gegenseitige Wertschätzung, Rücksichtnahme und Hilfe. Ihr gelingt ein individuell angemessenes Fördern und Fordern aller Schüler und Schülerinnen entsprechend ihren Bedürfnisse und Lernvoraussetzungen mit Hilfe differenzierter und differenzierender Unterrichtsmethoden. Dies ermöglicht auch die frühzeitige Förderung bei sich anbahnenden Schwierigkeiten und dient somit der Prävention längerfristigen sonderpädagogischen Förderbedarfs.
Sonderpädagogische Kompetenz ist immanenter Bestandteil dieser Schule. Multiprofessionelle Teams (Regelschul-, Förderschullehrerinnen[2], Sozialarbeiter- und -pädagoginnen, pädagogische Mitarbeiterinnen etc.) sind gemeinsam verantwortlich für die bestmögliche Förderung der Kinder.

Rahmenbedingungen für Inklusion

Rechtliche Grundlagen

Ausgehend von der Salamanca-Erklärung[3] wird im der UN-Behindertenrechtskonvention[4], welche Deutschland 2009 ratifiziert hat, eine „inclusive education“ für alle Kinder mit Behinderungen eingefordert (§ 24, ...States Parties shall ensure an inclusive education system at all levels…).
Im Niedersächsisches Schulgesetz (NSchG)[5] § 4 wird ausgeführt:
„Schülerinnen und Schüler, die einer sonderpädagogischen Förderung bedürfen (§ 14 Abs. 1 Satz 1), sollen an allen Schulen gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern erzogen und unterrichtet werden. …
Die Förderschule ist zugleich Sonderpädagogisches Förderzentrum für Unterricht und Erziehung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die andere Schulen besuchen. Das Sonderpädagogische Förderzentrum unterstützt die schulische Integration von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf“
Der Runderlass zur Sonderpädagogische Förderung[6] erklärt:
Sonderpädagogische Förderung unterstützt
· Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf vorbeugend und pädagogisch begleitend in allen allgemeinen Schulen, um der Entstehung eines individuellen sonderpädagogischen Förderbedarfs entgegenzuwirken,
· Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf in allen Schulen,
· die Lehrkräfte der allgemeinen Schulen bei der Förderung.
Gemeinsamer Unterricht
Klassen an allgemein bildenden Schulen, in denen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit anderen Schülerinnen und Schülern unterrichtet und erzogen werden, sind Klassen mit Gemeinsamem Unterricht. Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Gemeinsamen Unterricht ist Aufgabe der allgemein bildenden Schule.
Gemeinsamer Unterricht soll Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ermöglichen, zusammen mit anderen Schülerinnen und Schülern ohne solchen Förderbedarf die wohnortnahe allgemeine Schule zu besuchen. Allen Schülerinnen und Schülern, die am Gemeinsamen Unterricht teilnehmen, sollen durch diese Form des Unterrichts über kognitives und emotionales Lernen hinaus erweiterte soziale Lernerfahrungen ermöglicht werden.“

Gemeinsamer Unterricht

Inklusive Beschulung wird somit im Gemeinsamen Unterricht verwirklicht. Die heterogene Lerngruppe an der Regelschule ist damit Ausgangslage und auch Zielvorstellung der pädagogischen Arbeit. In gemeinsamen Lebens- und Lernerfahrungen spüren alle Kinder, dass sie angenommen sind und Mitverantwortung für die Gemeinschaft tragen.
Gemeinsamer Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf ist ein binnendifferenzierter Unterricht mit einem ausgewogenen Wechsel von individualisierten und gemeinsamen Lernsituationen. Dieser Unterricht ist förderlich für alle Kinder, da er Individualitäten anerkennt und Basiskompetenzen sorgfältig aufbaut.
Gelernt wird, soweit möglich und sinnvoll, am gemeinsamen Gegenstand, der so differenziert wird, dass verschiedene Zugänge zu den Lerninhalten und Arbeit auf unterschiedlichen Anforderungsniveaus möglich sind.
Dazu ist eine breite Vielfalt an Methoden unerlässlich. Offene Unterrichtsformen (z.B. Tages- und Wochenplanarbeit, Stationsarbeit, Freiarbeit, Projektarbeit, Werkstattunterricht, Lerntheken) sind zentraler Bestandteil der gemeinsamen Arbeit. Die Schülerinnen und Schüler folgen ihrem eigenen Lerntempo. Freude am Arbeiten und Stolz auf die eigenen Lernergebnisse stehen für die Schüler und Schülerinnen im Mittelpunkt. Daraus folgend entwickeln die Schüler und Schülerinnen selbst Verantwortung für ihr Lernen.
Im Gemeinsamen Unterricht werden Schüler und Schülerinnen zieldifferent beurteilt. Für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gelten die Regelungen der entsprechenden Förderschulform. Hierzu werden ausführliche Elterngespräche zur Transparenz der Bewertungen geführt.
Dem Gemeinsamen Unterricht ist der Vorzug vor äußerer Differenzierung zu geben. Je nach begründetem Bedarf kann jedoch eine gezielte Gruppen- bzw. Einzelförderung notwendig sein. Unterstützungsangebote in der sozial-emotionalen Entwicklung beziehen aus systemischer Sichtweise die gesamte Lerngruppe mit ein.
Für einen gelingenden Gemeinsamen Unterricht sind folgende äußere Bedingungen notwendig:
· Klassenstärke nicht über 22 Kindern
· Verfügbarkeit eines Gruppenraumes
· Differenzierungsmaterialien (in Verfügbarkeit der Regelschule)
· zeitverträgliche Organisationsstrukturen (Stundenplan, Teambesprechungen, pädagogische Konferenzen, Sprechtage, Zeugniskonferenzen).
· Strukturierung des Klassenraums (Leseecke, Materialecke…)

Schulstruktur im Einzugsbereich des WW-Förderzentrums

Im großflächigen, ländlichen Kreis haben sich viele kleine Grundschulen erhalten, welche teils zwei- oder einzügig, teils sogar mit Kombiklassen betrieben werden. Eine Ausnahme bildet die vierzügige Lüchower Grundschule. Die 11 vom Förderzentrum betreuten Grundschulen verteilen sich wie folgt:
In der SEK I – Stufe befinden sich die KGS Clenze (ca. 850 Schüler), die Haupt- und Realschule Gartow (6 Klassen) und die Hauptschule Lüchow ( 8 Klassen, davon 5 Integrationsklassen) im Einzugsbereich des WWFöZ (große Kreise in der Grafik).
Die HS wird demnächst mit der Realschule Lüchow fusionieren.
Förderschullehrkräfte müssen in solchen Strukturen häufig an mehreren Schulstandorten eingesetzt werden. Dies macht zum Teil lange Fahrzeiten – auch in den Pausen – erforderlich (Entfernung Schnega – Gartow 48 km ! ) und erschwert die Zusammenarbeit (Absprachen) mit den Regelschullehrerinnen.

Die Aufgaben des Förderzentrums

Das Förderzentrum bündelt die sonderpädagogischen Kompetenzen. Es ist für alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zuständig (sonderpädagogische Förderung) und unterstützt die Kinder, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf droht (präventive Förderung) soweit es die Ressourcen zulassen. Alle Kinder bleiben dabei weiterhin Schüler der Regelschulen. Die Mitarbeiterinnen des Förderzentrums begleiten und beraten Kinder und Jugendlichen wie auch die Personen in deren Umfeld (Eltern, Regelschullehrkräfte etc.) und vernetzen beteiligte Helfersysteme (Jugendhilfe, Ärzte, Therapeuten etc.).
Das Förderzentrum bemüht sich dabei um größtmögliche Kontinuität.
Das Förderzentrum stellt darüber hinaus vertiefte und spezielle sonderpädagogische Kompetenzen zur Verfügung. Diese können über mobile Dienste oder auch über Fortbildungsangebote von allen Schulen abgerufen werden.
Alle Förderschullehrerinnen sind an das Förderzentrum angebunden. Die Förderschullehrerinnen finden im Förderzentrum eine Plattform zum Austausch, zur Supervision sowie differenzierte und differenzierende Unterrichtsmaterialien. Von hier aus wird auch die Diagnostik zur Feststellung eines Förderbedarfes durchgeführt. Darüber hinaus können Lerngruppen für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf in zeitlich begrenzten Umfang eingerichtet werden.

Die Arbeit in den Regelschulen

Unterrichten im Team

Förder- und Regelschullehrkraft unterrichten im Team. Der Gemeinsame Unterricht profitiert von einem gegenseitigen Kompetenzaustausch von Förder- und Regelschullehrkraft und erfordert eine enge Zusammenarbeit. Diese setzt eine tragfähige, verantwortungsvolle Arbeitsbeziehung voraus. Dazu gehört eine abgesprochene Rollen- und Aufgabenverteilung. Alle im Team sind für alle Kinder in der Klasse zuständig. Die persönlichen Kompetenzen des Einzelnen werden in die Unterrichtsarbeit eingebracht. Notwendige Voraussetzung dafür ist Austausch und Absprache. In Teamgesprächen wird gemeinsam geplant und evaluiert. Aspekte der gemeinsamen Teamarbeit sind u.a.:
· Absprachen zu Zielvereinbarungen, Rollenverteilung und –tausch
· regelmäßige Absprachen über Unterrichtsplanung und –durchführung im Team
· gemeinsame Gestaltung von pädagogischen Maßnahmen für die Klasse
· gemeinsame Entwicklung von individuellen Arbeits- und Lernangeboten
· gemeinsame Förderplanerstellung und –evaluation
· gemeinsame Leistungsbeurteilung
· gemeinsame Stundenplanabsprachen zu doppelbesetzten Stunden

Die Arbeit der Förderschullehrkraft an den Regelschulen

Die Arbeit an den Regelschulen beinhaltet für die Förderschullehrkraft folgende Aufgaben:
· Unterrichten
· Planung und Umsetzung von Differenzierungsmaßnahmen
· Bereitstellung von entsprechenden Lernmaterialien und Hilfsmitteln
· Förderdiagnostik und -planung
· Mitgestaltung pädagogischer Maßnahmen für die Klasse
· Vernetzung
· Beratung
· Partizipation am Schulleben
Förderdiagnostik und –planung
Grundlage für einen binnendifferenzierten Unterricht ist eine genaue Bestimmung des Lernstands, der Lernbedingungen und der Arbeitsmöglichkeiten des einzelnen Kindes. Sie wird unterrichtsbegleitend durchgeführt.
Darauf aufbauend erfolgt die individuelle Förderplanung, welche gemeinsame Aufgabe von Regelschul- und Förderschullehrkräften ist. Das Kind wird – wenn möglich - in die Entscheidungen, Vorgehensweisen und Reflexion des eigenen Lernprozesses eingebunden.
Die Förderung muss sich bezüglich Zeit- und Materialaufwand im Schulalltag realisieren lassen. Die Absprachen sind verbindlich für alle am Lernprozess Beteiligten.
Die Fortschritte des Kindes werden regelmäßig gemeinsam von Regelschul- und Förderschullehrkräften überprüft. Entsprechend finden Ergänzungen und Veränderungen der Förderplanung statt. Zeitrahmen, teilnehmende Personen und Maßnahmen müssen überschaubar sein.
Neben der Förderdiagnostik stellt die Gutachtenerstellung zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs eine weitere Aufgabe der Förderschullehrkraft dar.
Beratung und Unterstützung
Ein weiteres wichtiges Element der Arbeit bildet die Beratung und Unterstützung der Regelschullehrkräfte. Dabei stehen die Förderschullehrkräfte sowohl ihren direkten Teamkolleginnen und anderen in der Klasse arbeitenden Fachlehrerinnen als auch bei Bedarf Kolleginnen anderer Klassen zur Verfügung. Sie bringen Ideen zu unterrichtsmethodischen Alternativen und zur Differenzierung der Lernangebote sowie für spezielle Fördermöglichkeiten ein. Darüber hinaus sensibilisieren sie für ablaufende Lernprozesse und schulen die Beobachtungsfähigkeit. Des Weiteren besteht die Notwendigkeit einer intensiven Elternberatung.
Vernetzung
Die Förderschullehrerin sorgt bei Kindern mit Förderbedarf für eine Verzahnung der interdisziplinären Hilfsangebote, um so eine möglichst optimale Förderung zu gewährleisten. Sie unterhält bei Bedarf Kontakte zu Kindergärten, Ärzten, Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe, außerschulischen Förder- und Therapieeinrichtungen etc. und vermittelt bei Bedarf entsprechende Hilfsangebote. Auch Kontakte zu speziellen Unterstützungssystemen des Förderzentrums (Mobile Dienste) können über die Förderschullehrkraft vor Ort hergestellt werden.
Partizipation am Schulleben
Ins Schulleben bringt sich die Förderschullehrerin beratend und unterstützend ein. Sie ist beteiligt an der Erstellung und Evaluation eines Förderkonzeptes für die jeweilige Schule und nimmt an Dienstbesprechungen und Gesamtkonferenzen teil, die relevant sind für die Förderarbeit. An Klassenfahrten, Ausflügen und Schulfesten beteiligt sich die Förderschullehrerin im Rahmen ihres Einsatzes.

Umsetzung in der Primarstufe: Das Regionale Integrationskonzept

Die sonderpädagogische Grundversorgung im Primarbereich beinhaltet sowohl die präventive Arbeit als auch die gezielte Förderung und Unterstützung von Kindern mit anerkanntem sonderpädagogischen Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Sprache und emotionale und soziale Entwicklung.
Jede Grundschule erhält dafür eine Grundversorgung von zwei Förderschullehrerstunden pro Klasse.
Für Kinder mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung werden Integrationsklassen eingerichtet. Diese Kinder werden von den Förderschullehrkräften vor Ort mit einem zusätzlichen Kontingent von fünf Stunden betreut.
Schwerpunkte der sonderpädagogischen Förderung umfassen in der Regel die Wahrnehmungsbereiche, die Konzentrations- und Merkfähigkeit, Motorik, Feinmotorik, Sprache und die Lernbereiche Lesen, Schreiben und Mathematik.
Einen wichtigen Bereich in der Arbeit zu Schuljahresbeginn stellt die Unterstützung der Lehrerinnen der 1. Klassen bei der Ermittlung der Lernausgangslage dar. Im Rahmen der Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule ist eine enge Zusammenarbeit zur Sicherung des Übergangs der Kinder in die erste Klasse notwendig.
Poolbildung
Es ist nicht sinnvoll, dass sich der Arbeitseinsatz der Förderschullehrkraft gleichmäßig mit je 2 Stunden über alle Klassen verteilt. Erst ab mind. 8 Stunden wird eine Zusammenarbeit zwischen Regel- und Förderschullehrkraft möglich, welche eine Förderung im Gemeinsamen Unterricht ermöglicht.
Es müssen deshalb bei den zur Zeit bereitgestellten Ressourcen Schwerpunktklassen gebildet werden. Ein Anteil von höchstens 20% besteht aus Schülern welche einen speziellen Förderbedarf haben. Mehrere Förderkinder in einer Klasse verhindern Sonderrollen und machen Differenzierungsmaßnahmen effektiver. Andererseits ist es notwendig, dass in einer Schwerpunktklasse alle Leistungs- und Begabungsniveaus vertreten sind, die Klassen sollten eine Größe von maximal 22 Schülern aufweisen.
Es kann auch nötig sein, dass sich mehrere kleine Grundschulen zu einem sog. „Pool“ zusammentun, um an einer Schule eine Schwerpunktklasse bilden zu können.
Schüler mit Förderbedarf müssen ggf. in die Schwerpunktklasse wechseln.
Unabhängig davon steht allen Klassen durch die vor Ort anwesende Förderschullehrkraft eine bedarfsorientierte Beratung zur Verfügung.

Gemeinsamer Unterricht in der Sekundarstufe 1

In der Sek.I erhalten Schulen pro Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen drei Förderschullehrerstunden/Woche, pro Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der geistigen Entwicklung fünf Förderschullehrerstunden/Woche.
Auch hier ist eine Mindestanzahl von 12 Förderschullehrerstunden pro Klasse nötig, um Absprachen mit den Regelschulllehrkräften im nötigen Umfang treffen zu können.
Erschwerend wirkt sich dabei das häufig vorherrschende Fachlehrerprinzip aus. Für die betroffenen Förderlehrkräfte in den allgemeinen Schulen bedeutet das in der Regel viele zusätzliche Besprechungstermine. Zusätzlich ist die Möglichkeit zum fächerübergreifenden Unterricht beeinträchtigt.
Kontinuität ist besonders für Förderschüler erforderlich, damit verlässliche Strukturen sowie vertrauensvolle Bindungen zwischen ihnen und den Lehrkräften entstehen können.
Die Integration von Förderschülern erfolgt in die Hauptschule, eine Schulart, die ihrerseits eine selektive Auslese der Gesamtschülerschaft darstellt. In dieser Schulform in ihrer jetzigen Form befinden sich viele Schüler mit schulischen und/oder familiären Problemen. Diese Schüler können nur selten als ein positives Vorbild für Förderschüler in den Bereichen Lernen und Verhalten dienen.
Die sonderpädagogische Förderung im Sek-1 Bereich bezieht sich ausschließlich auf die Förderbedarfe „Lernen“ und „Geistige Entwicklung“. Eine Förderung anderer Förderbedarfe durch Förderschullehrer (z.B. „Sprache“ und „Emotional-soziale Entwicklung“) ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Die Schüler erhalten dadurch, im Gegensatz zur Grundschulzeit, keine entsprechende Förderung durch speziell ausgebildete Pädagogen.

Besondere Lerngruppen des Förderzentrums

Das sonderpädagogische Förderzentrum zeichnet sich durch individuelle Hilfen, Unterstützungen und Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf aus. Dies bedeutet auch, dass individuell für jedes Kind nach dem passenden Lernort gesucht werden muss. Dies kann auch bedeuten, dass zeitlich befristet eine spezielle Beschulung einer integrativen Beschulung in einer Regelschulklasse vorzuziehen ist. Daher kann es auch Aufgabe des Förderzentrums sein, für diese Kinder Klassen/Gruppen vorzuhalten.
Zur Zeit bietet das WW-Förderzentrum eine 10. Klasse zur Erlangung des Hauptschulabschlusses an: Die Schülerinnen und Schüler, die die kognitiven Möglichkeiten zur Erlangung eines höherwertigen Abschlusses haben, werden ein Jahr lang gezielt in einer kleinen Lerngruppe auf den Abschluss und die Prüfungen vorbereitet.

Weitere Arbeitsbereiche des Förderzentrums

Beratung

Mobile Dienste dienen der aufsuchenden Beratung direkt im betroffenen System. Sie können bei Bedarf durch Lehrkräfte, Eltern oder auch Schüler angefordert werden und sollen schnell und unkompliziert Unterstützung bringen. Beratung im Rahmen der Mobilen Dienste ist sowohl punktuell, einmalig oder in regelmäßigen Abständen möglich als auch kontinuierlich über einen längeren Zeitraum, wenn die Problemstellung es erfordert.
Zur Zeit stehen folgende Mobile Dienste zur Verfügung:
· Emotionale und soziale Entwicklung (ES), „Wendland-BUS“ für den gesamten Landkreis Lüchow-Dannenberg, 4 Lehrkräfte (mit 10 Lehrerstunden/Woche) beraten Kolleginnen und Kollegen sowie Schüler und Eltern.
· Hören (H) eine Kollegin unterstützt Schüler und Schülerinnen sowie die betroffenen Kollegen und Eltern bei Problemen im Förderbereich Hören in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Uelzen (16,5 Lehrerstunden/Woche).
· Körperlich Motorische Entwicklung (KME) und Sehen (S)
Überregionale Dienste der Landesschulbehörde (werden bei Bedarf angefordert).

Integrative Beschulung für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

„Eine Schule für Alle“ beinhaltet auch die Unterstützung, Förderung und Begleitung von Kindern mit einem Förderbedarf in der Geistigen Entwicklung. Zu berücksichtigen ist, dass die Bildungsangebote für diese Kinder so gestaltet sein müssen, dass sie befähigt werden ihr gegenwärtiges und zukünftiges Leben möglichst selbstständig zu gestalten. Lebenspraktische Lernangebote, das Lernen mit allen Sinnen und die Handlungsorientierung sind unverzichtbare Elemente für eine inklusive Schule, die auch Kinder mit dem Förderschwerpunkt in der Geistigen Entwicklung unterstützt. Eine inklusive Schule muss sich öffnen für neue, andere Lernangebote und bei Bedarf auch Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, die den Bedürfnissen der Kinder entsprechen. Dazu gehören zum Beispiel Therapieräume, Ruheräume, Kochnischen etc. In diesem Sinne ist ein Umdenken erforderlich. Veränderungen brauchen ihre Zeit und so auch die Schulentwicklung hin zu einer inklusiven Schule. In diesem Sinne ist noch einmal zu betonen, dass individuell für jedes Kind nach dem passenden und förderlichen Lernort gesucht werden muss. Zum jetzigen Zeitpunkt bietet die Wendlandschule als Schule für Kinder mit einem Förderschwerpunkt in der Geistigen Entwicklung ein umfassendes und vielseitiges Angebot, dass die Regelschule und hier vor allem die Sekundarschule erst entwickeln muss. Dies braucht Zeit und vor allem gründliche Überlegungen, wie mit Inklusion im ländlichen Raum besonders für Kinder mit dem Förderschwerpunkt in der Geistigen Entwicklung zu verfahren ist. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass eine „Einzelintegration“ aus pädagogischen und personellen Gründen nicht immer eine sinnvolle Lösung ist. Zu überdenken ist, ob sich einzelne, ausgewählte Schulen auf den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung vorbereiten, um so auch unter dem Aspekt der Poolbildung größere Gestaltungsmöglichkeiten entwickeln zu können. Dies könnte eine längerfristige Perspektive sein, die gemeinsam mit allen Beteiligten zu erarbeiten und umzusetzen ist.

Kooperation im Schulzentrum Lüchow (RS- HS- FöSch)

Durch das räumliche Zusammenwachsen dieser drei Schulen in einem Gebäude ist eine Zusammenarbeit im Schulzentrum gewachsen, die sich auf die gemeinsame Planung einer Oberschule mit Integrationsklassen bezieht. Das Förderzentrum bleibt eigenständig in Verwaltung, Leitung und Personalplanung. Über einen längeren Zeitraum werden in den verschiedenen Arbeitsgruppen Lehrkräfte aller Schulformen an den organisatorischen, methodischen, didaktischen und pädagogischen Umstrukturierungen arbeiten und Gemeinsamen Unterricht an einer Ganztagsschule verwirklichen.
Es besteht eine Schulleiterrunde im Schulzentrum (GS, HS,RS,Gym,BBS) mit dem Willen zur Schaffung einer „Schule für Alle“ unter dem Campusgedanken.

Kooperation mit der Berufsschule

Es bedarf besonderer berufsvorbereitender Maßnahmen für die Schüler und Schülerinnen mit Förderbedarf. Dies dient einer gezielten Berufsvorbereitung mit förderschulspezifischen Schwerpunkten und enger Zusammenarbeit mit der Berufsschule. Gearbeitet wird nach dem Berufsorientierungskonzept der Förderschule. Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Einführung in für sie geeignete Berufsfelder, Berufsvorbereitungsmaßnahmen, Berufsbildungswerk und Werkerausbildung. Praxistage und Praktika, sowie gezielte Betriebsbesichtigungen und engmaschige Beratungen durch die Reha-Beraterin der Agentur für Arbeit unterstützen und ergänzen dies Angebot.

Mediothek und Fortbildungsangebote

Das Förderzentrum unterstützt die Regelschulen durch die Bereitstellung von Medien und Material im Rahmen einer vom Förderzentrum geführten Mediothek. Unterrichts- und Differenzierungsmaterialien sowie Fachliteratur können für einen bestimmten Zeitraum entliehen und ausprobiert bzw. für den Unterricht in der Regelschule genutzt werden.
Ein weiteres Angebot des Förderzentrums an Mitarbeiter der Regelschulen und Eltern stellen Fortbildungen und Vorträge durch entsprechend qualifizierte Lehrkräfte des Förderzentrums oder andere Experten dar. Sie können u.a. die Bereiche des Gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, der Förderdiagnostik oder Besonderheiten bei einzelnen Förderbedarfen betreffen und richten sich nach Bedarf und Bedürfnissen der Regelschulen.


[1] Uns ist der Unterschied zwischen „Inklusion“ und „Integration“ bekannt (siehe dazu z.B.: http://de.wikipedia.org/wiki/Inklusive_P%C3%A4dagogik ). Es ist uns auch bewusst, dass der Begriff „Integration“ eher auf das zutrifft, was in diesem Konzept beschrieben wird. Da sich jedoch „Inklusion“ in Zusammenhang von Menschen mit Behinderungen durchzusetzen scheint, während „Integration“ mehr bei Menschen mit Migrationshintergrund gebraucht wird, verwenden wir hier durchgängig den Begriff „Inklusion“.
[2] Da der Anteil der weiblichen Personen im Bildungswesen überwiegt, wird die weibliche Form benutzt, sie schließt die männliche Form ein.
[3] vgl. UNESCO 1994: Die Salamanca Erklärung und der Aktionsrahmen zur Pädagogik für besondere Bedürfnisse. Angenommen von der Weltkonferenz "Pädagogik für besondere Bedürfnisse: Zugang und Qualität". Salamanca, Spanien, 7.-10. Juni 1994
[5] http://www.schure.de/nschg/nschg/nschg.htm (nachgeschlagen am 22.1.2011)
[6] RdErl. d. MK v. 1.2.2005 - 32 - 81027 (SVBl 2/2005 S.49; ber. SVBl. 3/2005 S.135) - VORIS 22410 -